Trash heisst Leben

Foto 16. Woche 2015
Trash heisst Leben

Trash heißt Leben

Warum fotografieren Menschen immer wieder gerne Trash. Die Antwort ist recht simpel: Trash bedeutet gelebt zu haben.

Wenn Fotografen, insbesondere die Jüngeren, auf Locationsuche gehen, gucken sie gerne nach alten Fabrikhallen, Abrisshäusern oder mit Graffiti besprühten Ruinen. Sie stecken ihre Modelle in verwaschene Jeans, abgewetzte Lederjacken und schlammbespritzte Bikerboots. Bei Strassenfotografie findet man andauernd Müll, kaputte Automaten und bröckelnden Beton. Warum? Weil die Motive auf die Vergänglichkeit hinweisen und damit auf Vergangenheit. Man fragt sich, wie die Ruine vor wohl vor 100 Jahren als Neubau ausgesehen hat, in wievielen Erdteilen die Jeans schon gewesen ist und ob es in 10 Jahren noch Kaugummiautomaten gibt. Nicht umsonst erfinden einige Werber so tolle Worte wie shabbychic. Auch ich mag Dinge mit Ecken und Kanten und fotografiere lieber charismatische Menschen mit Falten und Narben als glatte Modelle, die ihr zehnteiliges Lächelrepertoire runterrasseln. Ich mag Trash. Hey, ich wohne ja auch auf St. Pauli und Trash heißt Leben.